Bild: angieconscious / pixelio.de

WIR-IN-WEILER (WIW) fordert: Schutz und existentielle Absicherung der Bauern, die ökologisch und biologisch arbeiten wollen!

Anwendbares aus einem Sendebericht vom Bayrischen Rundfunk

Hindelang im Ostrachtal/Keltern–Weiler.” Ich habe im Leben schon viel gemacht”, sagt Bergbauer Weber “aber ich glaube das Beste, was ich gemacht habe, ist, dass bei uns das ganze Tal, die Natur so erhalten bleibt, wie sie ist.”

Ökomodell Hindelang setzt auf Nachhaltigkeit

In Bad Hindelang im Ostrachtal, in der Nähe von Sonsthofen, lebt Kaspar Weber. Er ist 85 Jahre alt und eine Berühmtheit im Oberallgäu: Vor 30 Jahren Mit-Erfinder des “Ökomodell Hindelang”. Weber züchtet seit 70 Jahren Bienen und ist leidenschaftlicher Bergbauer. Sein Lebenswerk ist eine Landwirtschaft, die auf Nachhaltigkeit zählt.

Im Honig kein Gift !

“Wenn man so wirtschaftet, wie wir es getan haben, wo die Bergwiesen noch blühen, da ist viel schönere Blumenflora da, und vor allem die Bienen, die den Honig holen, die gehen auf gesunde Blumen drauf. Da ist kein Gift drin und so ist der Honig eine richtige Medizin.”

Naturnahe Gärten bei Ellmendingen. Bild: André Ott

Kein Kunstdünger und keine Pflanzenschutzmittel

In dem von Weber mit initiierten Ökomodell mussten sich die Bauern verpflichten, keinen Kunstdünger und keine Pflanzenschutzmittel mehr einzusetzen.

Im Ostrachtal werden 1.300 Hektar biologisch bewirtschaftet

“In ganz Hinterlang hat uns alles ausgelacht, auch die anderen Bauern. Ich war mal auf einer Viehversteigerung, sind die über mich hergefallen, als ob ich weiß was verbrochen hätte. Und 1990 habe ich dann den deutschen Umweltpreis abgeholt in Bonn und dann ist das ganze Ostrachtal wach geworden. Dann sind die viel zu mir gekommen und haben sich erkundigt, und mittlerweile ist es so, dass ganz Hindelang mitgemacht hat und alle Bauern unter Vertrag stehen. Das sind mittlerweisle 1.300 Hektar, die biologisch bewirtschaftet werden.”

Landwirte bekommen Ausgleichszahlungen

Die Landwirte bekommen Ausgleichszahlungen. Wenige Höfe werden aufgegeben. “Das ganze Gebiet wird ohne Chemie bewirtschaftet. Und in der heutigen Zeit wird das immer mehr wert, weil man sieht, wieviel Gift gespritizt wird auf den ebeen Flächen, im Mais und im Korn und überall. Und hier das ganze Tal ist ohne Chemie.”

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-> Aufgabe für uns: Keltern sollte seine Bauern schützen, die ökologisch und biologisch arbeiten wollen. Deren Existenz sollte gesichert werden.

Brandenburg als Negativbeispiel für Keltern

Glyphosat verunreinigter Honig in Brandenburg muss entsorgt werden

Glyphosat verunreinigter Honig in Brandenburg muss entsorgt werden:
Das Brandenburger Berufsimkerpaar, Camille Hoonaert und Sebastian Seusing, bei der Entnahme von Honigproben an einem ihrer Bienenstandorte im Landkreis Barnim. Wenige Tage zuvor wurde auf dem benachbarten Acker (im Hintergrund) ein glyphosathaltiges Totalherbizid ausgebracht. Die entnommenen Honigproben weisen eine bis zu 160-fache Überschreitung des zulässigen Grenzwertes für Glyphosat auf. Seusings Frühjahrsernte - rund 600 Kilogramm Honig - ist somit nicht mehr verkehrsfähig und muss entsorgt werden. Bild: "obs/www.pestizidkontrolle.de/Florian Zimmer-Amrhein"

Das betroffene Brandenburger Imkerpaar, Camille Hoonaert und Sebastian Seusing, wird gemeinsam mit der Aurelia Stiftung und solidarischen Imker*innen eine Protestaktion vor dem BMEL durchführen. Sie werden symbolisch 600 Kilogramm belasteten Honig vor dem Ministerium abstellen. Ein Infostand wird über den aktuellen Fall und das Thema „Glyphosat in Honig“ informieren. Anlässlich des Weltbienentags am 20. Mai werden die Teilnehmer*innen einen offenen Brief an Bundesministerin Julia Klöckner übergeben, in dem sie einen besseren Schutz von Bienen, Imkern und der ökologischen Artenvielfalt fordern.

Die Verwendung von Glyphosat und anderen Pestiziden in der Landwirtschaft kann zu schwerwiegenden Verunreinigungen von Honig führen. Dies zeigt sich besonders drastisch an einem aktuellen Fall in Brandenburg. Ende April stellte die Erwerbsimkerei Seusing an einem ihrer Bienenstandorte im Landkreis Barnim fest, dass auf dem angrenzenden Acker das glyphosathaltige Herbizid Durano TF (Hersteller: Monsanto) ausgebracht worden war. Die ca. 70 Hektar große Fläche war zu diesem Zeitpunkt dicht mit blühendem Löwenzahn bewachsen und wurde von Seusings Bienen als Futterquelle genutzt. Der verantwortliche Landwirt hatte Seusing nicht über die Spritzmaßnahme informiert. Der Imker hatte so keine Chance, seine Bienen rechtzeitig umzustellen und seine Honigerträge zu retten.

Die von der Aurelia Stiftung beauftragten und finanzierten Laboruntersuchungen bestätigen: Seusings Honig ist schwer belastet. Die am Standort entnommenen Honigproben weisen eine 80- bis 160-fache Überschreitung des zulässigen Grenzwertes für Glyphosat auf. Seusings Frühjahrsernte – rund 600 Kilogramm Honig – ist somit nicht mehr verkehrsfähig und muss entsorgt werden. Der betriebswirtschaftliche Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehr als 10.000 Euro, auch für die Entsorgung entstehen der Imkerei zusätzliche Kosten. Nicht nur die Existenz von Imker*innen wird durch derartige Spritzungen in offene Blüten gefährdet. Sie belasten die Gesundheit von Honigbienen, Wildbienen und anderen Insekten und tragen damit auch zum Artensterben bei. Neue wissenschaftliche Studien zeigen, dass Glyphosat die Darmflora bei Bienen schädigt (Delatte H et al. (2019): Glyphosate alters the honeybee gut microbiota).

Mit der geplanten Protestaktion fordern die Imkerei Seusing und die Aurelia Stiftung die Bundesregierung auf, die Anwendung von Glyphosat und anderen Pestiziden in blühenden Pflanzenbeständen umgehend zu untersagen. Die Imkerei Seusing wird mit Unterstützung der Anwälte der Aurelia Stiftung Schadensersatzansprüche geltend machen und versuchen, für die nächste Anbausaison Schutzvorkehrungen beim Verwaltungsgericht durchsetzen.

Beim Protest von Brandenburger Imker*innen 
Ort: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 
Wilhelmstraße 54, 10117 Berlin 
Zeitpunkt: Freitag 17. Mai, 11 - 12:30 Uhr 

Quelle: www.pestizidkontrolle.de (ots)